Die wichtigsten Nachrichten der Woche aus der Sonntagsblatt-Redaktion

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Sonntag, 12. April 2026

Liebe Leser:innen, 

sechs Worte haben mich diese Woche nicht losgelassen: "Die Scham muss die Seite wechseln." Gisèle Pelicot hat diesen mittlerweile sprichwörtlichen Ausspruch getätigt. Über Jahre hinweg wurde sie von ihrem Ehemann betäubt und von mehr als fünfzig Männern vergewaltigt, die er selbst rekrutierte und deren Taten er filmte.

Meine Kollegin Eva Kingreen hat sich gefragt, was eigentlich passiert, wenn jemand die Scham nicht mehr als persönliches Schicksal trägt, sondern als gesellschaftliche Waffe zurückwirft. Was verrät das über die Mechanik des Schweigens, die diese Waffe so lange am Laufen gehalten hat? Sie schreibt über Scham nicht als Emotion, sondern als Instrument der Kontrolle, das sich über Jahrhunderte hinweg besonders tief in diejenigen eingegraben hat, die ohnehin zur Disziplinierung vorgesehen waren.

Etwas anderes beschäftigt meinen Kollegen Micha Götz schon seit Wochen, nämlich das immer wiederkehrende Gerede über die Abschaffung des Ehegattensplittings. Er ist seit zwölf Jahren verheiratet, hat vier Kinder und einen sehr konkreten Begriff davon, was Familienalltag bedeutet. Seine These ist streitbar, aber sie verdient mehr als ein müdes Schulterzucken.

Und dann habe ich diese Woche selbst über etwas geschrieben, das mich zugleich beeindruckt und beunruhigt: die Kirchen, die sich ernsthaft und mit bemerkenswerter Expertise auf den Verteidigungsfall vorbereiten. Dabei ist die Frage, wessen Lageeinschätzung da als stille Prämisse mitläuft, vielleicht die interessantere.

Einen guten Sonntag wünscht

Redakteur
Oliver Marquart


Top-Themen dieser Woche

Sexualisierte Gewalt und Scham: Wie Gisèle Pelicot die Blickrichtung umkehrt

Gisèle Pelicot macht öffentlich, was jahrelang verschwiegen wurde: Missbrauch, Demütigung und Scham. Mit ihrem Satz "Die Scham muss die Seite wechseln" fordert sie die Gesellschaft auf, das Schweigen zu brechen – und das Prinzip der Scham neu zu denken.

Ekaterina Porizko ist neue Landeskirchenmusikdirektorin in Bayern – "Musik erleuchtet die Seele"

Die Dirigentin, Organistin und Pianistin Ekaterina Porizko übernimmt die Kirchenmusik in Bayern. Die 36-Jährige wird am 17. April offiziell eingeführt – und will Tradition und Innovation zusammenbringen.

Musik für queere Hochzeiten: Songs und Künstler:innen, die wirklich passen

Viele klassische Hochzeitslieder spiegeln heterosexuelle Beziehungen wider – in Pronomen, Rollenbildern, Perspektiven. Queere Paare müssen das nicht einfach hinnehmen. Eine Auswahl an Songs, die sich anfühlen können wie die eigene Geschichte.

Neues Open-Air-Festival "Bergfunkeln" auf dem Schwanberg

Mit einem neuen Festivalformat startet der Schwanberg in diesem Sommer. Das Open-Air-Festival "Bergfunkeln" lädt ein, das Evangelische Kloster Schwanberg neu kennenzulernen.

Ehegattensplitting abschaffen? Warum das Familien härter trifft als Politiker zugeben

Zeitgemäß, gerecht, modern – so klingt die Forderung nach Abschaffung des Ehegattensplittings. Doch für Familien bedeutet sie vor allem eines: mehr Belastung. Micha Götz, Vater von vier Kindern, widerspricht.

"Eiskalt sind die!": Ausstellung über Diakonie im Nationalsozialismus in Rummelsberg

Eine Ausstellung über die Diakonie während des Nationalsozialismus zeigt das Diakoniemuseum Rummelsberg ab 24. April 2026. Die Schau widmet sich der Geschichte einzelner Einrichtungen und Personen, blickt aber auch auf die Geschichte der Opfer.

Glaube als Schutzfaktor? Studie findet Zusammenhang zwischen religiöser Erziehung und weniger Angst

Eine neue Studie legt nahe, dass religiöse Erziehungsziele mit weniger Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen zusammenhängen. Was das bedeutet – und was nicht.

Kirchenführer-Ausbildung: Wie aus Kirchräumen Orte der Begegnung entstehen

Kirchen sind mehr als Bauwerke: In der Region zwischen Tauber und Aisch lernen Menschen, Räume mit Geschichte und Glauben neu zu vermitteln. Eine Ausbildung verbindet Wissen, Spiritualität und Kommunikation.

Kirchen-Arbeitspapier plant Seelsorge für Spannungs- und Kriegsfälle

Die Kirchen entwickeln ein Arbeitspapier, das Seelsorge in Krisen- und Kriegszeiten vorbereitet. Es bündelt Erfahrungen aus Notfall- und Flüchtlingsseelsorge – wirft aber Fragen zur übernommenen Bedrohungsanalyse auf.

Kirche des leeren Wortes? Ralf Frisch über KI, Glaube und die Zukunft der Verkündigung

Kann eine Kirche, die auf das Wort gründet, überleben, wenn Algorithmen predigen? Unser theologischer Kolumnist Ralf Frisch hegt in seiner neuen Kolumne wieder einmal eine große Befürchtung, aber auch eine österliche Hoffnung.

sonntags innehalten

Predigt: Wie Scheitern und Umwege zum Glauben führen können

Manchmal fühlt sich das Leben leicht an wie ein Flug – und manchmal wie ein müder Weg ins Ungewisse.

In der Evangelischen Morgenfeier erzählt Esther Zeiher von beidem: vom Scheitern an Zielen, von Erschöpfung – und von Momenten, in denen sich der Blick hebt. Inspiriert von Worten aus Buch Jesaja entsteht ein Perspektivwechsel: Nicht wir allein schauen auf unser Leben, sondern Gott schaut auf uns.

Eine persönliche, dichte Predigt über Umwege, Zweifel – und die leise Kraft, die weiterträgt, wenn man selbst nicht mehr kann.

Medientipp von Social-Media-Redakteurin Stefanie Hollweck

Warum HateAid für den Schutz vor Hass im Netz unverzichtbar ist

Es gibt Orte im Netz, die man nie brauchen will – und doch unverzichtbar sind. HateAid ist so ein Ort: Schutzraum und juristische Unterstützung für Menschen, die online angegriffen werden.

Doch genau diese Arbeit gerät unter Druck. Förderprogramme wie Demokratie leben! stehen politisch zur Debatte – mit möglichen Folgen für Initiativen gegen Hass und Extremismus.

Was passiert, wenn solche Unterstützung wegbricht? Und was sagt das über den Zustand unserer Demokratie?
Medientipp lesen

 

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Herausgeber: Dr. Roland Gertz
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Redaktion: Micha Götz, Stefanie Hollweck, Eva-Katharina Kingreen, Oliver Marquart
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