Die wichtigsten Nachrichten der Woche aus der Sonntagsblatt-Redaktion

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Sonntag, 17. Mai 2026

Liebe Leser:innen,

wenn mich jemand fragen würde, was mein liebster Feiertag im Mai ist – wieso fragt mich das eigentlich nie jemand? –, dann würde ich ohne Zögern antworten: Pfingsten. Der Heilige Geist hat mich schon während meines Theologiestudiums fasziniert. "Der Geist weht, wo er will", sagt Jesus zu Nikodemus. Stark. Völlig autonom, nicht instrumentalisierbar. Und trotzdem ist er ganz nah, er "durch-geist-ert" uns regelrecht. Aber er bricht keine Türen ein.

Aber warum kommt der Geist überhaupt? Die kurze Antwort lautet: Weil Jesus weg ist. Christi Himmelfahrt ist die Voraussetzung, ohne die Pfingsten nicht denkbar wäre – und genau deshalb ist dieser Feriertag so gründlich unterschätzt. Erst der Abschied von Jesus schafft Raum für den Geist. 

Man muss sich das kurz vorstellen. Plötzlich ist der Mensch weg, dem die Jünger alles hingeworfen haben – im wahrsten Sinne: Fischernetze, Familien und Zukunftspläne. Der Mensch, der sie kannte, ohne dass sie viel erklären mussten. Der immer eine Antwort hatte. Oder zumindest die richtige Frage. Und jetzt sollen sie losziehen und der Welt von ihm erzählen? Ich hätte nicht mal gewusst, wer ich ohne ihn bin. Mich leer und einsam gefühlt.

Dieses Gefühl kennen mehr Menschen, als man denkt. Verlust ohne Tod. Trauer ohne Begräbnis. Kein Ritual, das hilft. Keine Blumen, die man hinlegen kann. Ein Verlust, für den es kaum Worte gibt: wenn jemand noch lebt, den man liebt, und trotzdem nicht mehr da ist. Wenn man die Handynummer der Schwester noch hat, aber nicht mehr weiß, ob sie noch stimmt.

Kontaktabbrüche in Familien passieren ständig. Und die meisten trauern allein, im Stillen, ohne, dass das Umfeld weiß, wie es einem wirklich geht. Und ohne das Vertrauen, das die Jünger hatten: dass da jemand kommt, dass Gott einen nicht im Stich lässt. Dazu braucht es Pfingsten und den Heiligen Geist. Himmelfahrt ist der Abschied. Pfingsten ist die Gegenbewegung. Die Zusage, dass jemand bleibt. Dass Verbundenheit möglich ist – auch mit dem Kind, das nicht mehr antwortet. Oder mit der Schwester, deren Whatsapp-Profilbild man immer wieder ansieht, ohne zu schreiben.

Vielleicht ist Himmelfahrt genau deshalb mein neuer Lieblingsfeiertag. Weil danach jemand kommt, der sich um die kümmert, die gerade allein trauern.


Einen gesegneten Sonntag wünscht

Redakteurin
Eva-Katharina Kingreen


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